🍋 BUBBLE BUILDING

Wie lange kann man heiße Luft eigentlich monetarisieren?

Wir leben in einer erstaunlichen Zeit.

Menschen bauen Reichweite auf. Sie bauen Personal Brands auf. Sie bauen Communities auf. Sie bauen Followerzahlen auf. Sie produzieren Reels, Shorts, Posts, Storys, Podcasts, Newsletter und selbstverständlich noch mehr Content über Content darüber, wie man Content produziert.

Ein vielleicht ironisches Hoch auf die Content-Creators (:innen) unserer Zeit!

Nur eine Frage stellen sich die jeweiligen Akteure dabei erstaunlich selten:

Wer hat eigentlich etwas davon, dass es mich (also den jeweiligen Content-Creator) gibt?

Nicht: Wie viele Menschen sehen mich?

Nicht: Wie viele Likes bekomme ich?

Nicht: Wie viele Follower habe ich?

Nicht einmal zuerst: Wie viel Geld verdiene ich?

Sondern:

Welchen realen Wert erschaffe ich (also wieder der jeweilige Content-Creator) für einen anderen Menschen?

Vielleicht ist genau diese Frage eine der lebensrelevantesten Fragen überhaupt.


Willkommen beim BUBBLE BUILDING

Eine Bubble entsteht nicht dadurch, dass jemand erfolgreich sichtbar wird. Sichtbarkeit ist nichts Schlechtes. Kommunikation ist wertvoll. Wissen weiterzugeben kann unglaublich wertvoll sein.

Problematisch wird es dort, wo Wahrnehmung und Wirklichkeit beginnen, getrennte Leben zu führen.

Da werden Reichweiten größer.

Profile professioneller.

Videos aufwendiger.

Versprechen gewaltiger.

Selbstbeschreibungen beeindruckender.

Nur die Frage nach der tatsächlichen Leistung wird immer unangenehmer.

Was wird physisch geliefert?

Was funktioniert hinter dem Bildschirm?

Welches Problem wird gelöst?

Welcher Mensch lebt anschließend besser?

Welcher Kunde spart Zeit, bekommt eine bessere Wohnung, erhält eine Dienstleistung, entwickelt eine Fähigkeit oder kann eine vernünftigere Entscheidung treffen?

Was bleibt übrig, wenn wir Kamera, Algorithmus, Personal Brand, Storytelling und Selbstinszenierung für einen Moment abschalten?

Genau hier beginnt die Bubble spannend zu werden.

Denn eine Blase kann erstaunlich groß werden.

Man braucht zunächst nur genügend Luft.


Wenn Aufmerksamkeit plötzlich mit Wert verwechselt wird!

Vielleicht kennst du dieses Phänomen.

Jemand wird bekannt, weil er bekannt ist.

Menschen folgen ihm, weil bereits viele Menschen ihm folgen.

Unternehmen bezahlen für Aufmerksamkeit, weil Aufmerksamkeit messbar ist.

Andere sehen diesen vermeintlichen Erfolg und versuchen, denselben Mechanismus nachzubauen.

Und schon beginnt ein faszinierender Kreislauf:

Menschen erklären anderen Menschen, wie sie Reichweite aufbauen können, damit diese anschließend wiederum anderen Menschen erklären können, wie man Reichweite aufbaut.

Genial.

Fast könnte man meinen, wir hätten das ökonomische „Perpetuum mobile“ entdeckt.

Bis jemand die unhöfliche Frage stellt:

Und wer produziert eigentlich noch irgendetwas, das jemand tatsächlich braucht?

Wer baut das Haus?

Wer repariert die Heizung?

Wer pflegt Menschen?

Wer entwickelt ein Produkt?

Wer übernimmt Verantwortung?

Wer investiert Kapital und trägt dabei reales Risiko?

Wer steht einem Kunden gegenüber, wenn etwas nicht funktioniert?

Wer liefert?

Vielleicht ist das die unangenehme Wahrheit hinter manchem digitalen Geschäftsmodell:

Content ist noch keine Leistung!

Content kann Leistung ermöglichen.

Content kann Wissen übertragen.

Content kann Menschen inspirieren.

Content kann Beziehungen schaffen.

Aber Content, dessen einziger Zweck darin besteht, noch mehr Content und noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, beginnt irgendwann um sich selbst zu kreisen.

Und dann wird aus Kommunikation:

Bubble Building.


Schein kann lange funktionieren. Nur nicht ewig.

In „Leicht war’s nicht, aber selfmade“ beschreibe ich sehr treffend genau diese Trennung zwischen Darstellung und Realität:

„Dort kann jeder so viel Fake sein, wie er sein möchte. Wir erleben viel zu oft mehr Schein als Sein.“

Das eigentlich Interessante daran ist nicht die moralische Bewertung.

Interessanter ist die praktische Konsequenz.

Denn irgendwann muss eine Gesellschaft liefern.

Irgendwann muss jemand etwas herstellen.

Irgendwann muss jemand Verantwortung tragen.

Irgendwann muss jemand eine Rechnung bezahlen.

Und irgendwann muss selbst die fantastischste digitale Bubble auf etwas treffen, das sich nicht wegfiltern, schneiden oder mit einem inspirierenden Zitat überblenden lässt:

Realität.

Eine Immobilie muss Cashflow erzeugen.

Ein Unternehmen braucht Kunden.

Ein Produkt muss funktionieren.

Ein Mensch braucht Nahrung.

Ein Körper braucht Gesundheit.

Eine Gesellschaft braucht Menschen, die füreinander einen tatsächlichen Nutzen schaffen.

Likes kann man schließlich nicht essen.

Follower reparieren keinen Wasserrohrbruch.

Und Reichweite allein bezahlt langfristig noch keine Rechnung – außer jemand anderes hält sie weiterhin für wertvoll genug, dafür echtes Geld zu geben.


„Wer hat was davon, dass es mich gibt?“

Was würde passieren, wenn wir diese Frage morgens häufiger stellen würden?

Wer hat heute etwas davon, dass ich existiere?

Vielleicht deine Familie.

Vielleicht ein Kollege.

Vielleicht dein Arbeitgeber.

Vielleicht deine Kunden.

Vielleicht ein Mieter.

Vielleicht ein Geschäftspartner.

Vielleicht ein Mensch, mit dem du fünf Minuten sprichst.

Vielleicht jemand, dem du eine Erfahrung weitergibst, die ihm einen Fehler erspart.

Das muss nichts Weltbewegendes sein.

Im Gegenteil.

Vielleicht beginnt Würde gerade dort, wo Menschen wieder begreifen, dass ihr Wert eben nicht aus einer Followerzahl entsteht.

Ein Mensch wird nicht wertvoll, weil ein Algorithmus ihn sichtbar macht.

Und er wird auch nicht wertlos, weil künstliche Intelligenz irgendeinen Teil seiner bisherigen Tätigkeit schneller erledigen kann.

Interessant wird vielmehr die Frage:

Welche Fähigkeiten, Erfahrungen, Beziehungen und Leistungen kann dieser Mensch in die Gemeinschaft einbringen?

Mein eigener Anspruch dazu ist bemerkenswert einfach: Mir ist immer wichtig gewesen, den Menschen, mit denen ich zu tun habe, „einen Dienst zu erweisen“. Schließlich gilt definitiv immer: „Wer anderen zu Reichtum verhilft, wird selbst zu Reichtum gelangen.“ 😉

Und Reichtum wird nicht nur in Geld gemessen … das wissen wir ja auch schon lange – Oder?

Vielleicht ist das die bessere Definition von Wertschöpfung.

Nicht:

„Wie werde ich gesehen?“

Sondern:

„Wem diene ich mit dem, was ich kann?“


Und jetzt kommt KI …

Künstliche Intelligenz macht diese Frage nicht unwichtiger.

Sie macht sie wahrscheinlich wichtiger.

Denn wenn Maschinen immer leichter Texte, Bilder, Videos, Präsentationen und ganze digitale Welten produzieren können, könnte der reine Output irgendwann nahezu unbegrenzt werden.

Dann haben wir noch mehr Content.

Noch mehr Bilder.

Noch mehr Posts.

Noch mehr Meinung.

Noch mehr synthetische Perfektion.

Und vielleicht noch größere Bubbles.

Aber was wird dadurch knapp?

Vertrauen.

Erfahrung.

Verantwortung.

Urteilsfähigkeit.

Charakter.

Echte Beziehungen.

Und Menschen, die sagen:

„Ich tue tatsächlich das, worüber ich spreche.“

In meinem Leben und auch in meinem Buch wird genau diese Authentizität als Prüfstein beschrieben: Wirkliche Vorbilder leben selbst, was ihnen wichtig ist.

Vielleicht wird das in einer KI-Welt sogar zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Nicht lauter zu sein.

Sondern echter.


Wie groß darf deine Bubble werden?

Natürlich darfst du sichtbar sein.

Natürlich darfst du Content produzieren.

Natürlich darfst du Geld verdienen.

Natürlich darfst du eine Marke aufbauen.

Die entscheidende Frage lautet nur:

Was trägt die Bubble?

Substanz?

Oder Luft?

Wenn morgen Instagram, TikTok, LinkedIn und YouTube verschwinden würden:

Was könntest du noch?

Wem könntest du helfen?

Welche Erfahrung hättest du?

Welche Vermögenswerte blieben?

Welche Beziehungen?

Welche Systeme?

Welche Fähigkeit?

Welche reale Leistung?

Vielleicht ist genau das eine interessante persönliche Bilanz.

Denn niemand muss darauf warten, bis irgendeine Bubble platzt.

Man kann schon heute anfangen, Substanz unter sich selbst zu bauen.


Wahnsinn ade: Weg vom Ereignis, hin zum Prozess

Und vielleicht beginnt dieser Prozess mit einer sehr einfachen Frage:

„Wer hat etwas davon, dass es mich gibt?“

Nicht als Selbstanklage.

Sondern als Einladung.

Was kannst du lernen?

Was kannst du erschaffen?

Welche Erfahrungen kannst du teilen?

Welche finanzielle Struktur kannst du aufbauen?

Welche Verantwortung kannst du übernehmen?

Welche Menschen kannst du unterstützen?

Und welche Bubble in deinem eigenen Leben solltest du vielleicht besser nicht weiter aufblasen?

Genau solche Fragen gehören für mich zu Wahnsinn ade.

Kein nächstes Motivationsereignis.

Kein digitales Feuerwerk.

Sondern Austausch von Mensch zu Mensch, Erkenntnisse, Erfahrungen und daraus entstehende Prozesse.

Wenn du darüber sprechen möchtest: Komm in Kontakt.

Am liebsten persönlich, wenn es möglich ist.

Oder unter https://wahnsinn-ade.de.

Und natürlich jederzeit per E-Mail an interaktion@wahnsinn-ade.de.

Kontakt aufnehmen. Kontakt halten. Gemeinsam denken. Schritt für Schritt entwickeln.

Denn genau darin unterscheiden sich Prozesse von Ereignissen: Ein Ereignis erzeugt kurzfristig Aufmerksamkeit.

Ein guter Prozess erzeugt langfristig Substanz.

„Der wirkliche Wert [sind] nicht die Erfahrungen an sich … von überragender Bedeutung [ist], welchen nächsten Schritt der nun Erfahrene daraus ableitet.“
— Thomas Reubert, Leicht war’s nicht, aber selfmade

Und natürlich hast du auch bei diesem Thema recht – auf Basis dessen, was du glaubst.

Wer glaubt, Aufmerksamkeit sei bereits Wertschöpfung, wird weiter Aufmerksamkeit produzieren.

Wer dagegen irgendwann spürt, dass eine immer größere Bubble ohne Fundament zwangsläufig empfindlicher wird, könnte sich eine andere Frage stellen:

Was baue ich heute, das auch dann noch einen Wert hat, wenn morgen niemand mehr auf „Gefällt mir“ klickt?

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